Lecture: Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Leiter Konrad Lorenz Forschungsstelle, "Soziale Komplexität: Kognitiv determiniert oder Selbstorganisation?"  
 
    Monday, November 9, 2009, 18:00-19:30; HS 23 In the scope of the talk series on Self-organizing and Complex Systems http://sos.ani.univie.ac.at/  
 
   

ABSTRACT

Komplexe Muster und Funktionen zeichnen nicht nur das Sozialleben der Menschen aus. Vielmehr sind unsere sozialen Merkmale evolutionär fundiert, wir teilen sie daher in unterschiedlichem Ausmaß mit anderen sozial komplexen Wirbeltieren, Fischen, Vögeln und Säugetieren. Dazu zählt dieVerzahnung zwischen Affekten und Sozialverhalten, Bindungsfähigkeit und die Möglichkeit, einander sozial zu unzterstützen, etz. Daraus ergeben sich teils recht komplexe Sozialstrukturen, wie dauerhafte und individualisierte Beziehungen, Hierarchien, Männchenallianzen, oder über Weibchenbindung strukturierte Gesellschaften mit komplexen Verteilungen von Kompetenzen und sozialen Rollen, etwa bei Graugänsen, Raben, Wölfen, Affen oder beim Menschen. Generell wird Gehirnentwicklung und die Evolution der geistigen Leistungsfähigkeit der Wirbeltiere im Zusammenhang mit den Anforderungen eines komplexen Soziallebens gesehen ("social brain hypothesis"). Im Umkehrschluss wird oft angenommen, dass komplexe soziale Strukturen auf geistiger Leistungsfähigkeit beruhen. Das muss aber nicht notwendigerweise der Fall sein. So etwa beruhen die beeindruckenden Leistungen sozialer Insekten letztlich auf einfachen Interaktionsregeln und manche Modelle (z.B. C. Hemelrijk, Univ. Groningen) zeigen, dass dies auch bei den Wirbeltieren der Fall sein könnte. Strukturierung durch "Selbstorganisation" könnte also die Basis und Bühne für die kognitiv unterstützten sozialen Interaktionen der Individuen darstellen.

 

CV

Kurt Kotrschal
Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich (www.klf.ac.at) und Professor am Department für Verhaltensbiologie, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien


Kurt M. Kotrschal, Mag.rer.nat., Prof. Dr., geboren 1953 in Linz, Studium der Biologie an der Univ. Salzburg, 1981 Promotion, 1987 Habilitation und 1976-1981 an der Univ. Salzburg, Forschungsaufenthalte an den Universitäten Arizona und Colorado, USA. Arbeiten zur Evolution der Fische und zur Funktion von Sinnes-und Nervensystemen. Seit 1990 Leiter der Konrad Lorenz Forschungsstelle für Ethologie in Grünau/Oberösterreich (www.klf.ac.at) und Professor am Department für Verhaltensbiologie, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien. Forschung an hormonalen, kognitiven und energetischen Aspekten sozialer Organisation und zunehmend auch, Mensch-Tierbeziehung. Mitbegründer des Wolfsforschungszentrums (www.wolfscience.at). Interesse am Verhältnis Gesellschaft-Wissenschaft. Etwa 200 Originalartikel in Fachzeitschriften, Buchbeiträge und Bücher.

 

 
 
    Autor: Mag. Ewald Hotop  
    Date: Nov 03, 2009 09:00 AM  

 

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